Leishmaniose - Ein zahnloses Schreckgespenst



Wegen der von mir gewählten Überschrift werden eine Menge Menschen laut aufschreien. Fassungslos wird man mir vorwerfen, daß ich Leishmaniose verharmlose.

Das tue ich nicht.
Leishmaniose ist eine Erkrankung, die unbehandelt zum Tod führen kann.
Das ist aber bei vielen anderen Krankheiten genau so der Fall.
Warum also wird gerade bei Leishmaniose so eine Panik und Hysterie verbreitet.
Ganz ehrlich, ich weiß es nicht.

Vielleicht sehen wir uns einfach mal gemeinsam an, was Leishmaniose eigentlich ist.


Am Anfang ist die Sandmücke

Im Internet gibt es jede Menge Seiten, die ausführlich erklären, was Leishmaniose ist.
Wer's also ganz genau wissen will, den möchte ich bitten einfach mal zu googeln.
Ich will mich auf eine vereinfachte und laienhafte Erklärung beschränken.

Leishmanien sind einzellige Parasiten. Es gibt sie in verschiedenen Varianten (Stämmen). Sie werden ausschließlich durch den Stich der Sandmücke übertragen.

Früher gab es Sandmücken nur im tropischen und suptropischen Klima - Leishmaniose war also eine klassische Tropenerkrankung.
Das hat sich geändert.
Sandmücken wurden in fast 90 Ländern überall auf der Welt nachgewiesen.
Auch bei uns in Deutschland !!!

Das heißt, Leishmaniose ist ein Thema, das ALLE Hundehalter interessieren sollte - nicht nur die, die einen "Importhund" haben oder mit ihrem Hund in den sonnigen Süden in Urlaub fahren.
Auch ein Hund, der Deutschland niemals verlassen hat, kann Leishmaniose bekommen.


Was tun Leishmanien?

Die Leishmanien – LM’s – nisten sich im Knochenmark, den Lymphknoten, der Leber und in der Milz ein.
Hier können sie viele, viele Jahre sitzen, ohne daß überhaupt irgend etwas wirklich Gravierendes passiert.

Man muß also unterscheiden, ob der Hund lediglich infiziert, oder tatsächlich erkrankt ist.

Ich nenne immer gerne den menschlichen „Herpesvirus“ als Vergleich.
Das hinkt natürlich, hilft aber LM zu veranschaulichen.
Viele Menschen tragen den „Herpesvirus“ in sich, aber er bricht nicht aus. Erst in Streßsituationen (Eheproblemen, Ärger im Job, auch Ekel kann Streß auslösen, andere Krankheiten die den Körper stressen, etc...) fangen die Lippen an zu blühen.
Ähnlich ist es auch bei LM.
Streß, Ärger, neue Situationen, Futterumstellung, Krankheit, etc. kann einen Leishmanioseschub auslösen.
Befindet sich der Hund in einem streßfreien Umfeld, fühlt sich wohl und ist auch sonst in einer guten, gesundheitlichen Verfassung, so ist der Ausbruch von LM relativ selten.

Wenn LM tatsächlich ausbricht, kann man mit einem (preiswerten!!!) Medikament aus der Humanmedizin (Allopurinol gegen Gicht) relativ gut behandeln.
Die typischen Symptome wie: überlanges Krallenwachstum, „ausgefranste Ohren“, „Brillenbildung“, Nasenbluten, rapider Gewichtsverlust, eitrige Hautgeschwüre, Gelenkschmerzen, Durchfall, Lahmheit, etc..., sind im Regelfall komplett in den Griff zu kriegen.

Wobei es natürlich Ausnahmen von der Regel gibt.
Diese will ich weder verschweigen noch beschönigen.
Nicht bei jedem Hund hilft Allopurinol. Dann gibt es weitere Medikamente, auf die man zurück greifen kann.
Also nicht die Hoffnung aufgeben.
Auch wenn mal LM nicht heilen, die Leishmanien also nicht komplett vernichten kann, so hat der Hund doch die Chance auf ein gutes, langes Leben.


Wo ist das Problem?

Das Problem liegt daran, daß Leishmaniose erkannt werden muß.
Viel zu viele Tierärzte hierzulande haben sich noch nicht ausreichend über LM informiert.
Noch immer heißt es: Gibt's bei uns nicht.
Wenn der Hund nie im Ausland war, kann's das nicht sein.
Dann wird gegen dieses ein Pillchen verschrieben.
Gegen jenes ein Wässerchen.
Die Medikamente stressen den Hundekörper zusätzlich und die Leishmanien haben leichtes Spiel.
Schließlich ist der Hund so geschwächt, daß jede Hilfe zu spät kommt.

Das muß nicht sein.
Wenn Sie als Hundehalter Ihren Tierarzt auf Leishmaniose ansprechen, wird bei ihm (hoffentlich) der Groschen fallen und Ihrem Hund wird geholfen.
Es ist halt wie bei jeder anderen Krankheit auch. Man muß sie erkennen.


Die Test's

Und wie kriege ich raus, daß mein Hund Leishmaniose hat?
Das ist genau der Knackpunkt.
Die ganzen Testverfahren sind alles - aber nicht sicher.
Leishmanien sind im Blut nicht nachweisbar. Lediglich Antikörper.
Und da kommt es immer wieder zu falsch positiven oder falsch negativen Testergebnissen.
Die Statistik sagt, etwa 50% der Tests sind falsch.

Logisch - wenn die Leishmanien einfach nur im Körper rum sitzen, aber nichts tun, bilden sich auch keine Antikörper.
Das ist in etwa so, als ob sich ein Einbrecher in Ihrem Schrank versteckt. Wenn der da nur sitzt und sich nicht rührt, werden Sie ihn nicht bemerken und auch keine Gegenmaßnahmen ergreifen.

Falsch positve Tests gibt's aber genau so oft. Denn Antikörper gegen Leishmanien, Babesien, Ehrlichien und, und, und... ähneln sich sehr.
Da kommt es regelmäßig zu Verwechslungen.

Der einzig sichere Test ist die Untersuchung von Knochenmark oder Lymphflüssigkeit.
Wenn in diesem Leishmanien entdeckt werden weiß man, daß der Hund welche hat.
Wenn dort keine entdeckt werden, weiß man nur, daß gerade an dieser Stelle in diesem Knochen keine Leishmanien waren.

Das kann man zusammenfassen: Der Test ist nicht mal das Papier wert, auf dem er steht.


Ungetestet ist ehrlicher

Aber gerade wir Deutschen lieben es doch so, wenn da etwas schwarz auf weiß geschrieben steht.

Genau das machen sich viele Organisationen zunutze.
Man kriegt bei der Adoption des Hundes einen Zettel in die Hand gedrückt auf dem steht: Negativ
Also geht man davon aus, daß der Hund für alle Zeiten und immer negativ ist.
Diese Aussage wird seitens der vermittelnden Organisation auch noch bestärkt. (Man will den Hund ja los werden, um schnellstens den nächsten retten zu können).
Zusätzlich zu den unsicheren Tests kommt noch die Tatsache, daß Leishmaniose eine Inkubationszeit von bis zu sieben Jahren hat.
Es kann also sein, daß ganz lange nach der Vermittlung ein Schub ausgelöst wird.
Der Körbchengeber hat Leishmaniose längst vergessen. Der Tierarzt denkt nicht dran. Die Krankheit wird nicht erkannt.
Und viele Monate später stirbt der Hund.

Dieses Spielchen spiele ich nicht mit.
Unsere Körbchensucher werden ganz bewußt als "nicht getestet" vermittelt, um nicht ein falsches Gefühl der Sicherheit zu produzieren.
Denn ein Test bietet keine Sicherheit.
Auch dann nicht, wenn er Monate oder Jahre nach der Adoption in Deutschland durchgeführt wird.
Der einzige, der sich über solche Tests freut sind der Tierarzt und das Labor. (Die wollen ja auch leben).

Lediglich, wenn der Hund Leishmaniose-Symptome hat macht ein Test Sinn.
Dann beschäftigt sich der Körper mit der Krankheit. Dann sind Antikörper nachweisbar.
Und dann liefert der positive Test ein Puzzelteil zur Diagnose.


Übertragung

Was ist, wenn Sie einen LM-Hund haben?
Einen, der tatsächlich erkrankt ist.
Besteht dann die Gefahr, daß Sie sich infizieren?
Daß er einen anderen Hund ansteckt?

Nein.

Weder im Blut, im Kot, im Urin, in der Spucke oder der Tränenflüssigkeit sitzen die LM’s.

Aber jedes Mal, wenn Sie im Mittelmeerraum die schönsten Tage des Jahres verbringen, sind Sie potentielles Opfer der Sandmücke.
Denn die Sandmücke sticht Wirbeltiere.
Der Mensch ist ein Wirbeltier.

Etwa 50 % der Menschen auf Ibiza sind LM- positiv.
Etwa 30 – 40 % der Südfranzosen ebenfalls.
Laut WHO gibt es über 12 Millionen mit LM infizierte Menschen. Und jedes Jahr kommen weitere hinzu.


Abschließen

Zum Abschluß möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen.

Unsere Behörden hier in Deutschland reagieren massiv auf Schweinegrippe, Vogelgrippe, BSE oder sonstige Krankheiten, die eingeschleppt werden können.
Wenn LM so gefährlich wäre, wie oft behauptet wird, glauben Sie dann nicht, die Behörden hätten längst reagiert?
Hätten wir dann nicht längst ein Importverbot für Auslandshunde?
Hätten wir dann nicht längst ein Verbot mit dem eigenen Hund ins Ausland in Urlaub zu fahren?
Und wäre es dann nicht längst untersagt überhaupt im sonnigen, Sandmückenland Urlaub zu machen?

Warum sieht man im Süden nicht an jeder Straßenecke Hunde liegen, die an LM sterben?
Und wieso gibt es überhaupt noch Hunde in den LM-Gebieten?

Verstehen Sie mich nicht falsch.
LM ist ein Problem.
Das will ich nicht verharmlosen.
Wenn man die Krankheit jedoch erkennt und entsprechend behandelt, dann ist sie daß, als was ich sie in der Überschrift betitelt habe:
Ein zahnloses Schreckgespenst.

Leishmaniose- Geschichten

LM- Bigger Die Geschichte von Bigger
LM- Franky Die Geschichte von Franky
LM- Peony Die Geschichte von Peony
LM- Lisa Die Geschichte von Lisa
LM- Carmen Samira - positiv getestet, trotzdem adoptiert
LM- Sophie Sophie - positiv, negaiv - und trotzdem glücklich
LM- Joy Joy - war erkrankt
LM- Fox Rico - auch ein schwerer Verlauf ist in den Griff zu kriegen