geschrieben Mai 2007 - überarbeitet zuletzt Januar 2012 - immer noch aktuell
Herzwurm oder Dirofilariose
Mein Ziel ist es für jeden unserer Körbchensucher ein Zuhause zu finden, wo er den Rest seines Lebens glücklich sein darf.
Das funktioniert natürlich nur, wenn auch der Rest des Rudels – die Menschen – glücklich sind.
Und um das zu erreichen, ist „Aufklärung“ das oberste Gebot.
„Aufklärung“ über den Charakter des Hundes, über die zu erwartenden Anfangsschwierigkeiten und auch über die möglichen Krankheiten, die im Hund schlummern können.
Auch der „Herzwurm“ ist eine solche Krankheit.
Und leider nimmt die Krankheit immer mehr an Bedeutung zu.
Schon seit einigen Jahren haben Hundebesitzer in Nordamerika massive Probleme mit der Herzwurmerkrankung, auch Dirofilariose genannt.
Aber auch rund ums Mittelmeer, auf den kanarischen Inseln, in Ungarn und in der Schweiz (!!!) ist Filaria ein Problem.
Die Krankheit kommt also immer näher. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie in Deutschland heimisch ist.
Ursache des Übels ist eine Stechmücke.
Das heißt, nicht eine Steckmücke. Über 70 (!!!) Arten wird die Übertragung von Herzwürmern angelastet.
Eine von ihnen (oder mehrere) wird sich sicher bald auch in unserem Klima wohlfühlen.
Zumal ja in jedem Flieger, in jeder Tomatenkiste, in jedem Caravan, in jedem PKW oder Reisebus die entsprechenden Stechmücken aus den Infektionsgebieten als blinde Passagiere bei uns einreisen.
Also ist die Herzwurmerkrankung ein Thema, dass JEDEN Hundebesitzer angeht. Auch dann, wenn der Hund Deutschland nie verlassen hat.
Wie funktioniert das jetzt mit der Übertragung der Herzwürmer?
Gehen wir mal von einem Hund aus, der mit Herzwürmern infiziert ist. Der weibliche Herzwurm setzt Herzwurmbabys – sogenannte Mikrofilarien – im Blut ab.
Eine hungrige Stechmücke kommt vorbei, sticht den Hund und trinkt mit dem Blut eine oder mehrere Mikrofilarien.
In der Stechmücke machen die Mikrofilarien innerhalb der nächsten 14 Tage zwei Entwicklungsphasen durch. Dann hat sich die Mikrofilarie in eine Larve verwandelt.
Bei der nächsten Blutmahlzeit schlüpft diese Larve in den Hund.
Im Hund entwickelt sich die Larve ungefähr ein halbes Jahr weiter.
Dann erst hat sie sich in einen ausgewachsenen Herzwurm verwandelt, der wieder Mikrofilarien im Blut absetzt.
Der Kreislauf beginnt von vorn.
Ohne den Zwischenwirt Stechmücke ist also eine Übertragung der Herzwürmer NICHT möglich.
Denn die Mikrofilarien sind ohne die Zwischenstation in der Mücke nicht in der Lage, sich weiter zu entwickeln.
Das heißt: eine Übertragung von Hund zu Hund, sogar von Hündin auf die nicht geborenen Welpen, ist nicht möglich.
Dementsprechend hat auch der Mensch keine Möglichkeit, sich direkt beim Hund anzustecken.
Allerdings kann es natürlich sein, dass der Mensch direkt von einer mit Larven „gefüllten“ Stechmücke gestochen wird.
Gottseidank ist der Mensch als Herzwurmwirt nicht besonders geeignet. Es sind kaum ernstzunehmende Krankheitsfälle bekannt.
Anders ist das leider beim Hund.
Denn die erwachsenen Herzwürmer siedeln sich in der rechten Herzhälfte, der Lungenarterie und den herznahen Abschnitten der Hohlvenen an. Die Biester können eine Dicke von 1 Millimeter und eine Länge von 20 bis 30 Zentimeter erreichen.
Daß das zu Problemen führen kann, kann sich jeder vorstellen.
Die häufigsten Symptome sind:
Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, chronischer Husten, Leistungsabfall, Müdigkeit.
Prima.
Die Symptome treffen noch auf duzende anderer Krankheiten zu. Zumal ja auch nicht immer alle Symptome zeitgleich auftreten.
Wenn die Herzwürmer sich so richtig schön breit gemacht haben, kommen weitere Symptome hinzu:
Atemnot, daraus resultierend schnelle Atmung
Hoher Blutdruck
Rechtsherzinsuffizienz
Verdickung der „bewohnten“ Gefäße
Ohnmachtsanfälle bei Anstrengung
Und auch die anderen Organe wie Niere und Leber können befallen werden, weil’s rund ums Herz einfach zu voll geworden ist.
Das hört sich alles nicht so wirklich prickelnd an.
Wobei ich auch noch erwähnen möchte, dass etwa ein Viertel aller von Herzwürmern bewohnten Hunde überhaupt keine Symptome zeigen.
Also mal wieder eine ziemlich verzwickte Geschichte, wie das je eigentlich bei allen Parasiten der Fall ist. Deren Interesse ist es ja schließlich, so lange wie möglich unentdeckt zu bleiben, um so lange wie möglich zu überleben.
Dreizehn bis fünfzehn Jahre alt kann so ein Herzwurm werden.
Eigentlich haben solche „Mitbewohner“ kein Interesse daran, ihren Wirt zu töten. Denn dann würden sie ja selbst sterben.
Dennoch liegt auf der Hand, dass Herzwürmer als Mitbewohner für den Hund eher ungesund sind.
Die Frage ist, wie man die Dinger wieder los wird.
Herzwurm- Behandlung
Und das ist jetzt der Moment gekommen, an dem deutsche Tierärzte laut aufschreien: Lungenembolie, Thrombosegefahr, allergische Reaktionen und, und, und... was nicht alles passieren kann.
Jedenfalls ist ein mit Herzwürmern infizierter Hund eigentlich schon so gut wie tot.
Sagen viele deutsche Tierärzte.
Die spanischen Ärzte sehen das alles ein bisschen anders. Denn sie kennen sich bereits seit vielen Jahren mit den Herzwürmern aus und wissen sie zu bekämpfen.
Etwa drei Jahre lang habe ich mit Gran Canaria zusammen gearbeitet.
In der größten Perrera der Insel werden im Jahr etwa tausend Hunde untersucht, ob sie Mikrofilarien im Blut haben.
Wir wissen, wenn Mikrofilarien da sind, sind auch ausgewachsene Herzwürmer vorhanden, der Hund ist also tatsächlich infiziert.
Von den 1.000 Hunden, die jedes Jahr auf Gran Canaria untersucht werden, sind etwa 7% - also 70 Hunde – mit Herzwürmern infiziert.
Das sind also ein bis zwei Hunde jede Woche, die behandelt werden.
Gestorben ist bei der Behandlung noch KEIN EINZIGER Hund.
In all den Jahren noch nicht. (Nicht nur in der Zeit, in der KG dort engagiert war, sondern auch vorher nicht).
Wieso aber sind unsere Tierärzte hier in Deutschland so besorgt?
Um das zu verstehen, muß man wissen, wie die Herzwürmer entfernt werden.
Das ist eigentlich relativ einfach.
Den Hunden wird ein Medikament gespritzt, das die Herzwürmer sterben lässt.
Die toten Herzwürmer können sich nicht mehr an ihrem Lieblingsplatz festhalten, sondern schwimmen quasi als „Müll“ im Blut herum, bis der Körper sie zersetzt hat.
Und genau das ist die problematische Phase im Kampf gegen die Herzwürmer.
Denn die toten Würmer können die Blutgefäße verstopfen.
Lungenembolie und Thrombose drohen.
Das Wichtigste nach der Injektion des Medikamentes ist RUHE !!!
Absolute Ruhe.
Keine Spaziergänge, kein auf Sofa hüpfen, keine Freudentänze wenn Frauchen nach Hause kommt.
RUHE.
Zudem werden Blutverdünnende Medikamente verabreicht.
Und es funktioniert.
Ich möchte an dieser Stelle nicht auf Details bzgl. der Medikamente und ihrer Dosierung eingehen. Denn die sind von Hund zu Hund unterschiedlich.
Aber ein Wort zu den „Tests“ möchte ich noch verlieren.
Wie kriege ich raus, dass ein Hund Herzwürmer hat?
Der Test
In der Zeit direkt nach dem Mückenstich, in der nur die Larve im Blut herum schwimmt, eigentlich gar nicht.
Denn man müsste ja bei einer Blutuntersuchung genau den Tropfen Blut erwischen, in dem die Larve sich gerade befindet – eher unwahrscheinlich.
Erst wenn die Larve sich in einen ausgewachsenen Herzwurm verwandelt hat, also etwa 6 Monate nach dem Mückenstich, ist ein Bluttest positiv. Denn dann sind die Herzwurmbabys, die Mikrofilarien im Blut nachweisbar.
Außerdem produzieren ausgewachsene Herzwürmer ein bestimmtes Antigen, das ebenfalls im Blut nachweisbar ist.
Aber eben erst ausgewachsene Würmer.
Ein Bluttest sagt also lediglich aus, dass der Hund vor 6 Monate noch nicht infiziert war.
Was heute ist, ist erst in einem halben Jahr im Blut ablesbar.
Jetzt kann sich jeder selbst ausrechnen, wie (un-) sicher die Tests sind, die von vielen Tierschutzorganisationen angepriesen werden.
Negativ getestet – alles gut – von wegen…
Die Vorsorge
Ein Gutes hat dieser Test jedoch.
Er sagt uns, daß keine ausgewachsenen Herzwürmer vorhanden sind.
Wir haben maximal Larven (in der Entwicklung zum Herzwurm) im Blut herum schwimmen.
Gegen die kann man etwas tun.
Verschiedene Präparate…
- Spot-on – in einem auch gegen Flöhe / Zecken / und andere Parasiten
- Tabletten – in einem auch gegen Darmparasiten
…töten die Larven im Blut ab.
Bei regelmäßiger Anwendung wird zudem eine Neuinfektion verhindert. Denn die von der Stechmücke übertragenen Larven landen ja in von Medikamenten „durchsetzten“ Blut und sterben gleich ab.
Viel gibt es zu dem Thema noch zu schreiben.
Dennoch möchte ich an dieser Stelle enden.
Ich hoffe es ist mir gelungen, einen kleinen Überblick über die Herzwurmerkrankung zu geben.
Wie immer nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert.
Menschen, deren Hund an Filariose bzw. bei der Behandlung verstorben ist, werden meinen Schreibstil sicher verärgert zur Kenntnis nehmen.
Denn zugegeben, so ganz ernst nehme ich die „gefürchtete Mittelmeerkrankheit“ nicht.
Dieser Text stützt sich auf die langjährige Erfahrung der Tierärzte vor Ort. Auf die Diagnose „Filaria positiv“ wird mit einem lässigen Schulterzucken reagiert.